Ortsgedächtnis Gedächtnis der Orte

 

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Die Schaltkreise der Macht

Von Frank Auffenberg

Bonn. Skeptisch blickt eine Besucherin des LVR-Landesmuseums auf den niedrigen Eingang des neuen Lichtraumes des Kölner Künstlers Ulrich Wagner. Nur stark gebückt kann sie das Objekt betreten. Hochpolierte Edelstahlplatten suggerieren scheinbare Bodenlosigkeit.

Sie wirkt unsicher, ob sie die Rauminstallation wirklich betreten soll. „Keine Scheu, sie werden nicht stolpern oder fallen. Lassen sie einfach den Raum auf sich wirken“, beruhigt der Künstler und schon verschwindet sie im engen Eingang von „Ortsgedächtnis – Gedächtnis der Orte“. Sie erwartet ein ebenso ästhetisches wie irritierendes Raumerlebnis.

Allein von roten Lichtröhren beleuchtet, zeigen Wagners Wände zunächst willkürlich erscheinende Linien auf dunklem Grund. Sie spiegeln sich auf dem Boden, der Betrachter scheint in einem Schaltkreis aus roten und gelben Linienmustern zu schweben. Erst nach und nach werden Strukturen erkennbar. Grundrisse zeichnen sich ab, Landmarken werden erkennbar.

Aufmerksamen Augen fallen bald kleine Davidsterne sowie rote und rosa Winkel auf. Die versteckten Symbole, mit denen die Nationalsozialisten ihre Opfer kennzeichneten als Juden, politisch Verfolgte oder Homosexuelle sind ein erster Hinweis auf die Ursprünge und Zusammenhänge der sich überlagernden Pläne. Erst ein knapp fünf Minuten kurzer Film des Grimmepreisträgers Frieder Wagner schafft endgültige Klarheit.

Bei den Plänen und Grundrissen handelt es sich um Orte, Architekturen und Strukturen des Nationalsozialismus im Rheinland. „Es überlagern sich Pläne der Ordensburg Vogelsang, Grundrisse des Kölner El De Hauses, also des Sitzes der Gestapo in Köln, des Aartunnels und auch des Kölner Tanzbrunnens. Außer Vogelsang sind es Orte, die von den Nationalsozialisten nicht gebaut sondern genutzt oder eben missbraucht wurden“, erklärt der Künstler.

In der neu konzipierten Dauerausstellung „Kunst und Macht im 20. Jahrhundert“ soll der Raum ein Versuch sein, die Seh- und Denkgewohnheiten der Besucher zu durchbrechen und sie in eine Reflexion des Gesehenen und Erlebten zu führen. „Während Farb-, Licht und Materialeindrücke den Betrachter sinnlich ansprechen, mitunter ästhetisch wirken, wartet der zweite Blick mit der Entdeckung auf, dass die Zeichen und Strukturen Orte des Nationalsozialismus repräsentieren“, erklärt die Direktorin des Museums, Gabriele Uelsberg.

Oft seien die Geschichten und Erinnerungen an die Vergangenheit der Orte kaum bekannt. „Ein gutes Beispiel ist der Kölner Tanzbrunnen. Wer heute dort eine Veranstaltung besucht, weiß nur selten, dass die Anlage zeitweise als Außenstelle des Konzentrationslagers Buchenwald diente“, so Wagner.

Mehr und die digitale Version des Infofilms auf www.rlmb.lvr.de.

 Artikel vom 04.05.2011

 

 

 

 

 

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